Jakobsweg
265km von Porto nach Santiago de Compostela
Hier möchte ich euch von unserer Wanderung auf dem Jakobsweg berichten.
Wir sind unseren Jakobsweg Ende März gegangen. Etwas außerhalb der Saison, weil wir es nicht zu warm haben wollten. Diese Idee ging auf. Es war schönes Wanderwetter, zwischendurch trotzdem schon sehr warm und naja, am Ende auch etwas regnerischer ;)
Für uns ist es »so ein Bucket-List-Ding«. Wir sind nicht religiös, suchen keine Antworten und haben keine Fragen, wir wollen keine Gleichgesinnten treffen, möchten weder vor etwas weglaufen, noch zu etwas hinlaufen, wollen weder die Nähe zu Gott finden oder noch mehr zu uns selbst. Ein kleines Abenteuer. Eine Wander-Herausforderung. Mehr nicht.
Wir haben uns für den Camino portugues da costa entschieden. Als wir die Idee hatten, einen Jakobsweg zu laufen, waren wir noch ziemliche Anfänger*innen und wollten mit einem »Einsteiger-Weg« (wenige Höhenmeter) starten. Jetzt haben wir die Reise 2x verschoben und sind mittlerweile eigentlich schon anderes gewöhnt. Egal. Ich liebe das Meer, daher die Küstenvariante ;)
Fotografiert habe ich zu Beginn mit meiner kleinen Canon EOS M50 Mark II, einem 22mm und einem 56mm Objektiv und dann nur noch mit meinem iPhone 12Pro.
Noch mehr Eindrücke von unseren Wanderungen und kleine Videos findest du auf meiner Instagram-Seite: @waskathrinsieht
vorab
Wir sind nicht richtig gepilgert! Und haben unsere Reise über Abenteuerwege gebucht. Grundsätzlich sind die Jakobswege natürlich dafür ausgelegt einfach loszulaufen und sich spontan eine Unterkunft zu nehmen. Da wir außerhalb der Saison reisen und vorher noch keine Erfahrung hatten, haben wir uns für die bequeme Variante entschieden und die Unterkünfte vorher buchen lassen. So waren uns aber auch die einzelnen Etappen vorgegeben.
Inbegriffen ist auch der Gepäcktransfer von Unterkunft zu Unterkunft. Eigentlich wollten wir mit unseren Rucksäcken laufen. Aber da wir mal wieder krank in das Abenteuer gestartet sind, haben wir umgepackt und uns einen Rucksack geteilt. Der andere wurde dann gefahren.
Ebenfalls gab es eine App mit sehr detaillierter Wanderroute und die Pilgerpässe lagen im ersten Hotel bereit. Die App wäre nicht nötig gewesen - aber nice to have. Der ganze Weg ist super gut ausgeschildert. Überall findet man gelbe Pfeile in unterschiedlichster Form.
ein Tag in Porto
Durch meine Wochen anhaltende Grippe bin ich noch etwas geschlaucht. Wir unternehmen daher nicht viel in Porto, laufen nur etwas durch die Stadt - Berg auf, Berg ab - genießen das Wetter und diese südeuropäische Atmosphäre.
Während unseres Jakobswegs laufen wir in Portugal immer wieder an Häusern vorbei, deren Fassade zum Teil oder komplett mit Fliesen verkleidet ist. Ich mag’s voll gerne, bin total fasziniert davon und kann mich kaum daran satt sehen.
Etappe 1 – von Porto nach Póvoa de Varzim
28km • 36.500 Schritte
Der Bus bringt uns von der Altstadt an den Rand von Porto. Hier startet unser Jakobsweg. Wir sind die letzten, die aus dem Bus steigen und schauen anscheinend erstmal sehr verwirrt rum, wo denn nun der erste gelbe Pfeil ist, der uns zeigt, wo es lang geht. Schon spricht uns der Busfahrer an und erklärt uns den Weg. Hier würden viele erstmal falsch laufen - wir jetzt zum Glück nicht ;)
Die Wanderung geht heute den ganzen Tag entlang des Atlantiks :) über Holzbohlenwege, durch Dünen, vorbei an Stränden und einigen kleineren Ortschaften bis nach Póvoa de Varzim. Am »Ziel« laut App angekommen, stellen wir fest, dass es nochmal 2km bis zum Hotel sind. Etwas heftiger Start ins Abenteuer, mit Erkältung.
Wir gehen schnell duschen, essen lecker zu Abend und fallen dann direkt ins Bett 😄
Etappe 2 – von Póvoa de Varzim nach Esposende
16km • 24.500 Schritte
Unser Weg führt uns heute erstmal wieder vorbei an weiteren Stränden, bevor wir den Naturpark Litoral Norte erreichen. Die Sonne versteckt sich zum Glück etwas. Hier hängen gerade die Bäume voller Zitronen und Orangen, der Ginster blüht und immer wieder huschen Eidechsen an uns vorbei. Nach Überquerung des Flusses Cávado kommen wir schließlich in Esposende an.
Die Luft tut unglaublich gut und ich kann mich nicht satt sehen an den brechenden Wellen 🤍
Den Abend verbringen wir am Strand :)
Etappe 3 – von Esposende nach Viana do Castelo
29km • 41.400 Schritte
Nach einem leckeren Frühstück brechen wir schnell auf. Heute wird uns den ganzen Tag die Sonne begleiten und es sind einige Kilometer zu gehen.
Wir lassen die Festung und den Leuchtturm von Esposende hinter uns und machen dann einen kleinen Schlenker ins Landesinnere. Wir laufen durch viele kleine Orte. Das Kopfsteinpflaster ist gar nicht angenehm zum Gehen. Mittlerweile tun uns die Gelenke ganz schön weh, aber bald haben sich die Füße und Beine daran gewöhnt.
Wir kommen auch an vielen Kirchen vorbei - unsere Pilgerpässe füllen sich.
Dann geht’s endlich in ein kleines Waldstück. Wir überqueren den Lima über eine große Brücke und kommen dann in Viana do Castelo an.
Etappe 4 – von Viana do Castelo nach Vila Praia de Âncora
19km • 28.800 Schritte
Da wir es gestern zeitlich nicht mehr geschafft haben hinauf zur Basílica de Santa Luzia zu fahren, nutzen wir heute als erstes die Zahnradbahn. Und genießen den weiten Ausblick.
Dann wandern wir im Landesinneren, parallel zur Küste. Auf unserem Weg kommen wir wieder an einer Reihe von kleinen Dörfern vorbei. Schließlich erreichen wir Vila Praia de Âncora mit seinem schönen Strand. Hier verbringen wir auch unseren Abend und beobachten beim Essen die untergehende Sonne :)
Etappe 5 – von Vila Praia de Âncora nach A Guarda
14km • 22.000 Schritte
Heute geht’s nach Spanien. Wir wandern wieder am Strand entlang mit dem Rauschen des Atlantiks im Ohr, mega blauem Himmel und jeder Menge Wind. Nach etwa 9 km erreichen wir Caminha. Hier verlassen wir nun das schöne und sonnige Portugal und setzen mit der Fähre (also einem kleinen Bötchen) nach Spanien über. Auf spanischer Seite begrüßt uns erst einmal etwas Regen. Unser Weg geht dann erstmals richtig bergauf zum Monte Santa Tegra, bevor wir nach A Guarda kommen.
Aufgeheizt von dem sonnigen Start in Portugal, ist uns hier abends richtig kalt. Zum Glück habe ich meine Wintermütze dabei :D
Etappe 6 – von A Guarda nach Viladesuso
17km • 25.300 Schritte
Unsere Wanderreise geht weiter entlang der schroffen Atlantikküste, vorbei an Wäldern, bis ins kleine Seemannsdorf Oia. Dann sind es nur noch 4km bis zum Hotel. Das Wetter ist heute perfekt und der Weg richtig gut zum Laufen. Alle Strapazen der letztem Tage sind weg und vergessen. Es ist gerade einfach alles schön. Den Abend verbringen wir wieder am Strand.
Etappe 7 – von Viladesuso nach Baiona
15km • 26.000 Schritte
Nach einer ruhigen und sehr abwechslungsreichen Wanderung vorbei an Klippen, Feldern und auch mal etwas bergauf erreichen wir Baiona, der erste Hafen Europas, der die Nachricht von der Entdeckung Amerikas erhielt.
Da es heute nur eine kleine Etappe ist, erkunden wir noch etwas den Ort, essen ein Eis, genießen das schöne Wetter am Strand und gehen zumindest mit den Füßen ins Wasser. Heute ist richtig Urlaub hier :)
Etappe 8 – von Baiona nach Vigo
28km • 37.800 Schritte
Unsere heutige Etappe führt uns zunächst durch die dicht besiedelte Bucht Ria de Vigo, die Sandstrände sehen wir dabei nur von oben. In der Sonne ist es richtig warm, umso mehr genießen wir die Abschnitte durch die Eukalyptuswälder. Die duften übrigens ganz wunderbar - ich lieb’s.
Auf unserem ganzen Weg begegnen uns nicht nur gelbe Pfeile, sondern auch Muscheln in jeglicher Form. Die Ortschaften und auch Einwohner*innen haben damit die Wege verziert und waren dabei oft sehr kreativ.
Durch die Wärme und auch die vielen Abschnitte durch Ortschaften, zieht sich die Strecke heute ewig. Unser Ziel für ist die lebhafte Hafen– und Industriestadt Vigo. Wir machen heute nicht mehr viel. Das Hotel hat zum Glück ein geöffnetes Restaurant und so werden es auch nicht mehr Schritte :D
Etappe 9 – von Vigo nach Arcade
22km • 31.800 Schritte
Nach einem super leckeren Frühstück geht unsere Reise weiter durch das Fischerviertel und aus Vigo heraus. Von hier geht der Weg entlang der Bucht bis nach Redondela und weiter nach Arcade.
Haben wir in der letzten Woche immer nur mal vereinzelt andere Pilger*innen getroffen, wurde es heute richtig voll. Wir denken es liegt zum einen daran, dass es ab Vigo nur noch 100km bis zum Ziel sind und viele hier starten. Zum anderen ist der Küstenweg heute auf den Hauptweg des Camino Portgues getroffen. Und dann ist noch schönes Wetter, Sonntag und die Karwoche beginnt ;)
Etappe 10 – von Arcade nach Pontevedra
13km • 19.400 Schritte
Heute geht’s mit einer mini Wanderung nach Pontevedra, die Haupstadt des portugiesischen Jakobsweges. Etwas nasser als angesagt, geht’s durch Wälder und über Wiesen. Mit einem kurzen Kakao-Stopp. Wir besuchen auch die Kirche der Capela da Virxe Peregrina, deren Grundriss einer Jakobsmuschel nachempfunden ist.
In Spanien zeigen diese Steine die Richtung und die noch verbleibenden Kilometer nach Santiago de Compostela an. Ganz mein Ding ;) Ich erfreue mich immer wieder daran, wenn ein Kilometer weniger angezeigt wird. Das motiviert mich total.
Etappe 11 –von Pontevedra nach Caldas de Reis
22km • 28.100 Schritte
Wir verlassen Pontevedra in strömenden Regen und wandern weiter durch die galicische Landschaft, über Wiesen, durch Wälder und entlang kleiner Flüsschen bis nach Caldas de Reis.
Mit knapp vier Stunden waren wir schneller als sonst, nur eine Pause, kaum Fotos, um bloß vor dem Gewitter im Hotel anzukommen ;)
Etappe 12 – von Caldas de Reis Padrón
19km • 25.000 Schritte
Es geht weiter durch die galicische Landschaft mit ihren mega duftenden Eukalyptuswäldern. Mal Sonne, mal Regen und mal Wind.
Wir übernachten in einer süßen Unterkunft etwas abseits auf dem Land, von wo aus es dann morgen nur noch 26km bis zum Ziel sind. Hier werden wir auch bekocht und es gibt endlich mal Pasta :)
Etappe 13 – von Padrón nach Santiago de Compostela
26km • 33.900 Schritte
Wir laufen noch etwas durch die Kiefern- und Eukalyptuswälder, genießen diesen Duft und freuen uns über jeden trockenen Kilometer. Schon bald steht das Wasser in den Schuhen und sie werden richtig schwer. Und auch die Regenkleidung hält dem Dauerregen nicht mehr stand. Die Straßen werden belebter und wir erreichen endlich unser Ziel, die Kathedrale von Santiago de Compostela. Wir holen unseren letzten Stempel und die Pilgerurkunde ab, lassen bei immer noch anhaltenden Regen ein Foto von uns machen und genießen dann die heiße Dusche :D
Die Pilgerurkunde gibt es im Pilgerbüro in der Nähe der Kathedrale. So »romantisch« dieser Moment in der App und auf vielen Blogs geschildert wird, so »bürokratisch« war er dann auch :D In einem Terminal geben wir unsere Daten an: Name, Beruf, Startpunkt u.ä. und erhalten dann eine Nummer. Damit gehen wir in einen Raum, in dem etwa 20 Leute in einer Reihe sitzen und Pilger*innern ihre Urkunden ausdrucken.
Der Mann redet auf spanisch auf mich ein und ich schaue ihn mit großen Augen an. Als er dann auf Englisch fragt »Where do you come from?« und ich antwortet »aus Leverkusen«. Redete er auf deutsch weiter. Leverkusen kennt er, werden ja dieses Jahr Meister ;) Wir zeigen unseren gestempelten Pilgerpässe vor und erhalten auch eine Urkunde. Den Stift zum Unterschreiben konnte ich kaum halten, weil meine Hand so erfroren waren von Regen und Kälte >.<
Ganz so schnell geht es im Hotel nicht. Es ist Stromausfall und wir können unser Zimmer nicht beziehen. Also sitzen wir mit unseren klitschnassen Sachen da und warten erstmal eine ganze Weile, bis wir dann endlich heiß duschen können.
Weil wir heute nicht so lange warten wollen, bis die Restaurants endlich aufmachen, geht’s zu Burger King. Da gibt es zumindest durchgängig was zu essen :D
Wir haben noch einen zusätzlichen Tag in Santiago de Compostela, bevor es wieder nach Hause geht. Da es am Vormittag nicht regnet, nutzen wir die Zeit, um die Kathedrale anzuschauen. Drinnen zünden wir eine Kerze zu Opas Geburtstag an. Wir bummeln etwas durch die Stadt und kaufen Mitbringsel als Erinnerung für uns und als Dankeschön für unsere Eltern. Am Nachmittag konnten wir noch jeder eine Massage im Hotel buchen. Fantastischer Abschluss :)
Es war ein tolles Abenteuer und ich freu mich sehr darüber, dass wir das zusammen gemacht haben. Wir sind uns aber auch einig, dass wir wohl so schnell keinen Jakobsweg mehr gehen, sondern uns andere Etappen-Wanderungen suchen werden.
Hauptsächlich, weil es dann die letzten 100km doch sehr voll war und wir lieber unsere Ruhe haben :D Außerdem ging dieser Weg ziemlich viel durch Dörfer und Städtchen. Das ist auch mal ganz nett, die Ortschaften sind wirklich süß. Aber nach zwei Tagen reicht mir das dann auch. An Natur kann ich mich nicht satt sehen und finde Landschaft immer wieder faszinierend, Gebäude habe ich dann irgendwann »verstanden«. Andere Jakobswege bieten da aber sicherlich auch mehr Natur. Der Vorteil durch so Zivilisation zu laufen ist aber auf jeden Fall: es gibt genug Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand, zum Essen und Pipi machen ;)
Mit dem späten Essen der Südländer*innen sind wir auch nicht so ganz zurecht gekommen. Restaurants öffnen dort meist erst 20Uhr, das ein oder andere auch mal um 19Uhr.
Ansonsten bin ich bei so Reisen immer wieder dankbar über die EU und den Euro, dass man ohne großen Aufwand, nur mit Personalausweis und ohne Geldwechseln in zwei Länder reisen kann.
Wir sehen uns also auf einer anderen Etappen-Wanderung wieder :)
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